Nachricht - 20.03.2026
„Wir warten nicht auf den Konsens von morgen“

Ein Interview mit Dr. Jens Nolting, Onkologe an der Hallwang Clinic, über die DNA individueller Präzisionsmedizin, den Standortvorteil Deutschland und die nächste Generation der Immuntherapie.
Als Vertreter einer neuen Generation von Krebsmedizinern engagiert sich Dr. Jens Nolting intensiv für den Einsatz personalisierter, immunbasierter Therapiekonzepte. Er gilt als profilierter Experte auf den Gebieten Immunonkologie, Krebsimmunologie und molekulare Onkologie. Seit 2017 ist er als Onkologe an der Hallwang Clinic tätig und verbindet klinische Exzellenz mit translationaler Forschung.
Herr Dr. Nolting, wie würden Sie die DNA der Hallwang Clinic beschreiben?
Dr. Jens Nolting: Die Hallwang Clinic ist ein Ort für Menschen, die eine hochindividuelle Krebstherapie suchen – insbesondere bei fortgeschrittenen oder metastasierten Erkrankungen im Stadium IV, wenn Standardansätze an ihre Grenzen stoßen oder nicht mehr ausreichen. Unser Anspruch ist keine Lösung von der Stange, sondern eine Therapie, die sich konsequent an der Tumorbiologie, der Krankheitsdynamik und der individuellen Lebenssituation jedes einzelnen Patienten orientiert.
Wo beginnt für Sie eine moderne Krebsbehandlung?
Moderne Onkologie beginnt für uns mit dem präzisen Verständnis der Tumorbiologie. Krebs ist ein komplexes biologisches System. Wir analysieren die molekularen Mechanismen sehr sorgfältig – und leiten daraus die therapeutisch sinnvollste Strategie ab.
Ist diese Präzision nicht längst Standard in der Onkologie? Warum braucht es spezialisierte Zentren wie die Hallwang Clinic?
In der Theorie ja – in der Praxis oft nicht. Viele Therapien basieren weiterhin auf etablierten Chemotherapie-Protokollen, die im Durchschnitt funktionieren, aber nicht für jeden Patienten optimal sind. Wenn Zweitlinien-Therapien versagen, werden die Optionen häufig vorschnell als begrenzt betrachtet. Genau hier setzen spezialisierte Zentren an. Sie verfügen über die diagnostische Tiefe, klinische Erfahrung und Struktur, um über Standardpfade hinauszudenken. Das bedeutet nicht, Leitlinien zu ignorieren, sondern die individuelle Tumorbiologie konsequent in den Mittelpunkt der Entscheidung zu stellen. Zugleich existieren weltweit vielversprechende Therapieansätze aus klinischen Studien, die vielen Patienten aufgrund regulatorischer Hürden oder fehlender Zulassung nicht zugänglich sind. Wir können solche Optionen prüfen und – in ausgewählten Fällen – verantwortungsvoll einsetzen.
Warum kann die Hallwang Clinic hier weitergehen als andere Krebsbehandlungszentren?
Deutschland bietet einen sehr klaren und zugleich flexiblen Rechtsrahmen für ärztliche Therapiewahl und Arzneimitteleinsatz. Das schafft die Möglichkeit, fortschrittliche Therapien verantwortungsvoll und im sicheren Rahmen zu nutzen, bevor sie international zum Standard werden. Dabei orientieren wir uns strikt an der klinischen Evidenz und am individuellen Nutzen für den Patienten. Kurz gesagt: Wir warten nicht auf den Konsens von morgen, wenn die Daten von heute bereits eine reale Option für den Patienten vor uns darstellen.
Das erklärt sicher auch das große internationale Interesse an Ihrem Haus.
Absolut. Viele Patienten kommen aus dem Ausland zu uns, oft mit fortgeschrittenen Erkrankungen. Auf Basis einer umfassenden molekularen Diagnostik entwickeln wir individuell zugeschnittene Kombinationstherapien. Das führt in vielen Fällen zu einer deutlichen klinischen Besserung – und in einzelnen Fällen eben auch zu langfristigen Remissionen, die vorher undenkbar schienen.
Sie waren am Dana-Farber Cancer Institute der Harvard Medical School tätig und haben am Johns Hopkins Hospital in Baltimore geforscht. Welche Entwicklungen in der Krebsforschung faszinieren Sie derzeit am meisten?
Ich sehe aktuell drei Säulen. Zuerst die personalisierten mRNA-Krebsimpfstoffe, die das Immunsystem sehr elegant auf tumorspezifische Neoantigene trainieren. Zweitens die Antibody-Drug-Conjugates, die die Lücke zwischen Wirksamkeit und Zielgenauigkeit schließen. Besonders spannend ist die Entwicklung von CAR-T-Zelltherapien über die Blutkrebserkrankungen hinaus hin zu soliden Tumoren. Neue „duale“ oder „armored“ CAR-T-Ansätze können biologische Hürden wie den Antigenverlust oder die immunsuppressive Umgebung des Tumors teilweise überwinden. Das ist konzeptionell ein gewaltiger Schritt nach vorn.
Hochleistungmedizin ist das eine – Patienten jedoch sind sehr verschieden.
Das ist ein entscheidender Punkt. Diese hochspezialisierten Therapien entfalten ihr volles Potenzial erst im richtigen biologischen Kontext. Wir setzen daher auf gezielte ergänzende Maßnahmen: Ernährung, Mikronährstoffe, Stressreduktion, physische Aktivierung oder Verfahren wie die Hyperthermie. Das verbessert die Verträglichkeit, reduziert Nebenwirkungen und unterstützt in vielen Fällen die Wirksamkeit der eigentlichen Krebstherapie. Was für viele Patienten auch einen Unterschied macht: Die Hallwang Clinic liegt eingebettet in die malerische Landschaft des Schwarzwalds. Die klare Luft und die ruhige Umgebung schaffen ideale Bedingungen für das Wohlbefinden. Hier finden Patientinnen und Patienten aus aller Welt einen Ort der Ruhe, Diskretion und Sicherheit – weit entfernt von der Atmosphäre eines klassischen Krankenhauses.
Was ist der erste Schritt für Patienten, die den Weg zu Ihnen suchen?
Patienten können uns jederzeit über die Website oder telefonisch kontaktieren. Es folgt zeitnah eine ausführliche medizinische Konsultation mit unserem Ärzteteam. In der Regel kann die Behandlung danach sofort beginnen – denn Zeit ist in der Onkologie ein entscheidender Faktor.