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Nachricht - 28.10.2026

Neue ESMO-Klassifikation: Wie Biomarker die Krebsbehandlung gezielter machen

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Die European Society for Medical Oncology (ESMO) hat ihren internationalen Bewertungsrahmen für molekulare Veränderungen bei Krebserkrankungen aktualisiert. Die neue ESCAT-Version 2 hilft Ärztinnen und Ärzten, gezielte Behandlungsmöglichkeiten und mögliche Resistenzen anhand wissenschaftlicher Erkenntnisse besser einzuordnen. Ein wichtiger Fortschritt für die personalisierte Krebsmedizin.

Moderne Tumoranalysen können zahlreiche genetische Veränderungen sichtbar machen. Doch nicht jede Mutation ist für eine Therapieentscheidung relevant. Selbst wenn ein Medikament gezielt an einer bestimmten Veränderung ansetzt, ist seine Wirksamkeit für die jeweilige Krebsart damit noch nicht automatisch belegt.

Um solche Befunde systematisch bewerten zu können, entwickelte die ESMO bereits 2018 die ESMO Scale for Clinical Actionability of Molecular Targets (ESCAT). Am 22. Oktober 2026 veröffentlichte die Fachgesellschaft eine grundlegend überarbeitete Version dieses Bewertungsrahmens.

Was ist neu an ESCAT Version 2?

Die neue Klassifikation berücksichtigt, wie stark sich die molekulare Diagnostik und die verfügbaren Behandlungsoptionen in den vergangenen Jahren weiterentwickelt haben.

Drei Neuerungen sind besonders relevant:

  • Genauere Bewertung der Evidenz: Insbesondere die höchste Evidenzstufe unterscheidet nun ausdrücklich, wie sicher der klinische Nutzen einer zielgerichteten Behandlung für eine bestimmte molekulare Veränderung belegt ist.
  • Berücksichtigung tumorübergreifender Therapien: Manche molekularen Veränderungen kommen bei unterschiedlichen Krebsarten vor. Die neue Version legt feste Kriterien dafür fest, unter welchen Voraussetzungen sich Erkenntnisse auf verschiedene Tumorarten übertragen lassen.
  • Systematische Bewertung von Resistenzen: Erstmals ergänzt eine eigenständige Klassifikation für Resistenz-Biomarker das System. Sie hilft einzuschätzen, welche molekularen Veränderungen auf ein vermindertes oder fehlendes Ansprechen auf bestimmte Medikamente hinweisen.

Zudem werden Daten aus prospektiven klinischen Studien und Erkenntnisse aus der medizinischen Versorgungspraxis (Real-World-Daten) differenzierter berücksichtigt.

Warum ist das für Patienten wichtig?

Besonders bei fortgeschrittenen oder bereits mehrfach behandelten Krebserkrankungen können molekulare Untersuchungen zusätzliche Informationen für die Therapieplanung liefern.

Verfahren wie das Next-Generation Sequencing (NGS) ermöglichen es, zahlreiche genetische Veränderungen eines Tumors gleichzeitig zu untersuchen. Auch sogenannte Liquid Biopsies können unter geeigneten Voraussetzungen therapeutisch relevante Tumorveränderungen anhand von Blutproben identifizieren.

Entscheidend ist dabei vor allem, welche Konsequenzen sich aus den gefundenen Veränderungen für die Behandlung ableiten lassen.

Hier setzt ESCAT an: Die Klassifikation hilft, molekulare Befunde nach der verfügbaren klinischen Evidenz zu gewichten. Sie unterstützt damit die Auswahl geeigneter zielgerichteter Therapien und macht zugleich transparent, wo der Nutzen einer Behandlung bislang nicht ausreichend belegt ist.

Gerade bei komplexen Erkrankungsverläufen schafft das eine wichtige Grundlage für interdisziplinäre Therapieentscheidungen. Die Bewertung ersetzt allerdings weder die individuelle ärztliche Beurteilung noch die Berücksichtigung bisheriger Behandlungen, möglicher Nebenwirkungen und des allgemeinen Gesundheitszustands.

Präzisionsonkologisch orientierte Therapieplanung in der Hallwang Clinic

Die Bewertung molekularer Tumoreigenschaften ist ein zentraler Bestandteil des Behandlungskonzepts der Hallwang Clinic. Mithilfe von genetischem Tumorprofiling, Next-Generation Sequencing und Liquid Biopsy untersucht das onkologische Team therapeutisch relevante Veränderungen und mögliche Resistenzmechanismen.

Auf dieser Grundlage werden individuelle Behandlungsstrategien entwickelt, die etablierte Standardtherapien ebenso berücksichtigen wie zielgerichtete Medikamente und moderne Immuntherapien. In medizinisch begründeten Einzelfällen können nach ausführlicher ärztlicher Aufklärung auch Off-Label-Behandlungen in Betracht kommen. Grundlage dafür ist eine individuelle Abwägung der verfügbaren wissenschaftlichen Evidenz und der persönlichen klinischen Situation. Klassifikationen wie ESCAT helfen dabei, die Belastbarkeit dieser Evidenz einzuordnen; eine Empfehlung für eine bestimmte Off-Label-Therapie leiten sie nicht ab.

Die Weiterentwicklung von ESCAT unterstreicht einen wesentlichen Grundsatz der Präzisionsonkologie: Molekulare Daten entfalten ihren Wert für eine individuell geeignete Krebstherapie erst durch ihre fundierte, evidenzbasierte Interpretation.

Molekulare Befunde einordnen lassen

Sie haben bereits Ergebnisse aus einer Tumorsequenzierung oder Liquid Biopsy? Unser ärztliches Team prüft Ihre Unterlagen vorab und schätzt ein, welche weitere Diagnostik und welche Therapieoptionen grundsätzlich infrage kommen. Die verbindliche Empfehlung erfolgt nach persönlicher Untersuchung.

Kontaktieren Sie uns.
Wir helfen Ihnen gern!

Wissenschaftliche Grundlage: El Helali A, et al. The ESMO Scale for Clinical Actionability of Molecular Targets, version 2 (ESCAT v2): an evidence-based framework for ranking alterations as actionability and resistance biomarkers in precision oncology. Annals of Oncology 2026. DOI: 10.1016/j.annonc.2026.09.008 · ESMO-Pressemitteilung vom 22. Oktober 2026 · Mateo J, et al. A framework to rank genomic alterations as targets for cancer precision medicine: the ESMO Scale for Clinical Actionability of molecular Targets (ESCAT). Annals of Oncology 2018;29(9):1895–1902. DOI: 10.1093/annonc/mdy263.

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen medizinischen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnostik oder Therapieempfehlung.

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