Zurück

Nachricht - 29.09.2026

Was passiert, wenn eine Krebstherapie nicht mehr wirkt?

Hands, doctor and patient with tablet, explain and conversation with feedback for diagnosis. People, closeup and medical with professional, man and tech for online results, review illness and report

Eine Krebstherapie wirkt nicht mehr, die Erkrankung schreitet fort – für Patienten und Angehörige ist das ein Einschnitt. Die wichtigste Frage lautet dann nicht nur: „Was ist die nächste Therapie?“, sondern zunächst: Was wissen wir heute über die Erkrankung, das wir bei der letzten Entscheidung noch nicht wussten?

Krebs ist keine statische Erkrankung. Ein Tumor kann aus unterschiedlichen Zellpopulationen bestehen, die sich im Verlauf unterschiedlich verhalten. Unter einer Therapie können empfindliche Zellen zurückgedrängt werden, während resistente Populationen bestehen bleiben und sich weiter vermehren – sichtbar beispielsweise als erneutes Tumorwachstum oder neue Metastasen. Befunde aus der Erstdiagnose bilden die Erkrankung zu einem späteren Zeitpunkt deshalb nicht zwangsläufig vollständig ab.

Das bedeutet: Die Situation muss neu bewertet werden.

Neue Bestandsaufnahme nach Progression

Bei einer Progression kann es sinnvoll sein, die Grundlage der bisherigen Therapieentscheidung erneut zu überprüfen – abhängig von Tumorart, bisheriger Behandlung und klinischer Situation. Dazu gehören aktuelle Bildgebung und Laborwerte, die Pathologie sowie bisherige Therapien und deren Wirkung.

Bei fortgeschrittenen Tumorerkrankungen kann zusätzlich eine genomische Untersuchung relevant sein – insbesondere dann, wenn Biomarker bekannt sind, die für die Wahl einer zugelassenen Therapie eine Rolle spielen. Sind mehrere Biomarker mit zugelassenen Therapien verknüpft, können Multigen-Tests eine effiziente und gewebeschonende Untersuchung ermöglichen. 

Auch eine erneute Untersuchung des Tumors kann zusätzliche Informationen liefern – durch eine Re-Biopsie oder in bestimmten Situationen eine Liquid Biopsy, bei der zirkulierende Tumor-DNA (ctDNA) im Blut analysiert wird. Die European Society for Medical Oncology (ESMO) sieht validierte und ausreichend sensitive ctDNA-Tests bei fortgeschrittenen Krebserkrankungen als eine Möglichkeit, therapeutisch relevante Veränderungen zu identifizieren.

Entscheidend für die Therapiewahl ist jedoch nicht allein, ob eine molekulare Veränderung gefunden wird. Relevant ist, welche Bedeutung sie für die jeweilige Tumorerkrankung hat und wie gut wissenschaftlich belegt ist, dass eine darauf ausgerichtete Behandlung tatsächlich einen klinischen Nutzen erwarten lässt.

Der Ansatz der Präzisionsonkologie

Genau hier setzt die Präzisionsonkologie an: Statt die Therapie allein anhand der ursprünglichen Krebsdiagnose auszuwählen, werden die biologischen Eigenschaften des Tumors, mögliche Biomarker und die bisherige Krankheitsentwicklung in die Entscheidung einbezogen. Molekulare Befunde werden dabei nicht isoliert betrachtet, sondern gemeinsam mit Tumorart, bisherigen Therapien, aktuellem Gesundheitszustand und der verfügbaren wissenschaftlichen Evidenz bewertet.

Daraus können sich – abhängig vom individuellen Befund – unterschiedliche Behandlungsstrategien ergeben. Dazu gehören etablierte Folgetherapien ebenso wie zielgerichtete Therapien oder Immuntherapien, sofern entsprechende Biomarker, klinische Daten und die individuelle Situation ihren Einsatz stützen. Auch Kombinationen verschiedener Therapieansätze können in ausgewählten Fällen geprüft werden. In medizinisch begründeten Einzelfällen kann zudem der Off-Label-Einsatz eines bereits zugelassenen Medikaments erwogen werden, wenn die verfügbare Evidenz und das individuelle Nutzen-Risiko-Verhältnis dies rechtfertigen.

Das Vorgehen der Hallwang Clinic

An diesen Prinzipien orientiert sich auch die Betreuung von Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittenen oder bereits mehrfach behandelten Krebserkrankungen an der Hallwang Clinic. Bereits vor einer möglichen Aufnahme prüft das medizinische Team die vorhandenen Unterlagen: histopathologische Befunde, aktuelle Bildgebung, bisherige Therapien, Laborwerte und vorhandene molekulare Analysen. Wenn medizinisch sinnvoll, liefert zusätzliche Diagnostik neue Informationen für die weitere Therapieplanung.

Wie die individuelle Therapieplanung an der Hallwang Clinic konkret abläuft, erfahren Sie hier.

Ziel ist es, auf Grundlage der aktuellen Eigenschaften des Tumors, des bisherigen Krankheitsverlaufs und der verfügbaren wissenschaftlichen Evidenz zu beurteilen, welche Behandlungsoptionen im individuellen Fall medizinisch sinnvoll sind.

Haben Sie Fragen zu Ihrer aktuellen Situation oder wünschen Sie eine Zweitmeinung? Kontaktieren Sie unser medizinisches Team für eine individuelle Prüfung Ihrer Unterlagen.

Kontaktieren Sie uns.
Wir helfen Ihnen gern!

Weitere News